Vom Steuermann vor den Fenstern: wenn die Metapher Wirklichkeit wird und was es beim Einsatz von Analogien zu beachten gilt

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Die Begeisterung für die großartige Aussicht steht jedem, der unsere Seminarräume im Holzhafen besucht, ins Gesicht geschrieben. Nicht allein die Elbe ist der Grund dafür; insbesondere sind es die vielen kleinen Schiffe. Sie bringen schaukelnd, gleitend, schnaufend und schleppend Leben in die Szenerie. Kunterbunte Kleinode! Richtig groß ist das Staunen, wenn ein Containerriese direkt vor unseren Seminarräumen wendet. „Gewendet wird“ muss es eher heißen, denn bei diesem Manöver übernehmen erfahrene Kapitäne auf den Hafenschleppern das Ruder. Eindrucksvoll bugsieren sie die bis zu 400 Meter langen Schiffe mit unfassbarer Präzision an den Liegeplatz am Container Terminal Tollerort. Wenn der Bug des Giganten in beinahe greifbarer Nähe vor den Fenstern aufragt, hält es keinen Teilnehmer der Seminare auf dem Stuhl. Zu beeindruckend ist das Bild, das sich bietet! Überwältigt von der Wucht des Materials gerät der Mensch in den Hintergrund. Dabei sind es gerade die Experten auf den Schleppern, die spektakuläre Aufgabe vollbringen: einen Koloss aus Stahl ohne eine Schramme mit wenigen Metern Abstand zur Kaimauer zu „parken“.

Dies ist nur einer der vielen Momente, in denen etwas Abstraktes greifbar wird. Oft genutzte Metaphern werden Wirklichkeit und ziehen vor unseren Fenstern vorbei. Es sind Bilder, die im Zusammenhang mit Management-Methoden und anderen strategischen und operativen Wirtschaftsfragen regelmäßig aufgegriffen werden. Moderatoren und Trainer nutzen sie gerne in ihren Workshops und Seminaren:

Das Ruder fest in der Hand halten … Durch stürmische Zeiten steuern …

Symbolträchtige Analogien, die auf die Wichtigkeit von Know-how und Kompetenzen verweisen. Die davon erzählen, wie lebensrettend eine gute Führungskraft – alias Steuermann – auch und gerade für Unternehmen sein kann. Weil Erfahrung und Expertenwissen dazu führen, auch in bewegten Zeiten die richtige Richtung zu erkennen und einen günstigen Kurs einzuschlagen. Auf der breiten Elbe vor unseren Fenstern erleben wir sie „in echt“ und sie zeigen uns eindrucksvoll, was wahre Steuerkunst ist. Zu manchen Zeiten geht es turbulent zu. Ein Schlepper folgt dem anderen – gekreuzt von Barkassen, Kähnen, Fähren, Speedboats und manchmal sogar Seglern. Ab und an schaut das Polizeiboot, das viele in Kindertagen in der Version von Playmobil® durch die Badewanne schippern ließen, nach dem Rechten. Sogar Kräne schwimmen an unseren Seminarräumen vorbei und ihrem Einsatzort entgegen. Ein wahrhaftes Wasserballett, das sich uns da bietet! Doch gute Koordination, Absprachen und eine gehörige Portion Erfahrung machen es möglich, dass alles ohne Zwischenfälle verläuft. Beinahe spielerisch wirkt das Ganze. Allerdings ist vorstellbar, wie viel Konzentration die Kapitäne und Navigatoren aufbringen müssen, um ihren Kurs zu verfolgen.

Von der Kraft der Bildsprache lebt auch so mancher Kurs, der in unseren Seminarräumen stattfindet. Doch wann sind Stilmittel wie die Analogie angebracht und wann schadet eine schiefe Metapher? Fragen, mit denen sich viele Trainer beschäftigen müssen oder müssten. Gerade bei Management-Workshops, die wir vorrangig hosten, bietet es sich in vielen Situationen an, abstrakte Themen mit griffigen Bildern zu beschreiben. Da gibt es die Adlerperspektive (oder mit weniger Hybris die Vogelperspektive), den Gipfel, der erreicht werden muss, und das Tal, das zuvor durchschritten sein will. Auch hören Seminarteilnehmer oft von Unternehmen im Aufwind oder in einer Flaute. Präzise wie ein Uhrwerk sollen die Prozesse abgestimmt sein. Die Linien müssen geschlossen werden. Diese Aufzählung ließe sich lange fortsetzen.

Grundsätzlich ermöglichen Stilmittel wie die Metapher oder Analogie, Dinge von einer Metaebene auf eine greifbare Höhe zu bringen. Abstrakte Konstrukte verwandeln sich in selbsterklärende Bildhaftigkeit. Durch die Übertragung auf einen Gegenstand, eine Figur oder eine andere Situation, sind auch komplexe Zusammenhänge anschaulich und einleuchtend. Wer solche Redewendungen verwendet, muss allerdings aufpassen, nicht zu sehr zu vereinfachen und dadurch ein falsches Verständnis von Sachverhalten hervorzurufen. Metaphorische Ausdrücke dürfen nicht zu Vorstellungen führen, die den Sinn entstellen. Die oft beschworene „unsichtbare Hand des Marktes“ ist dafür ein passendes Beispiel. Hinter diesem Bild verschwinden die Auswirkungen der Entscheidungen einzelner Unternehmen. Als Ergebnis steuert eine diffuse, geisterhafte Macht die wirtschaftlichen Geschicke.

Vor diesem Hintergrund sind auch Zweifel im Hinblick auf das eingangs bemühte Bild des Steuermanns berechtigt. Ist es tatsächlich allein ihm zu verdanken, dass ein Unternehmen gut durch stürmische Zeiten kommt? Jeder muss für sich entscheiden, ob diese Erzählung richtig oder doch eher das Team für den Erfolg einer Unternehmung wichtig ist. An diesem Beispiel lässt sich auch gut verdeutlichen, worauf es beim Einsatz einer Redewendung ankommt. Hält ein Manager das Steuer fest in der Hand, wirkt das Bild für die meisten positiv. Hält er dagegen die Zügel fest in der Hand, bekommt so mancher Beklemmungen; die Konnotation ist eindeutig negativ. Es ist also ratsam, die Metaphern, die in ein Seminar einfließen, zu hinterfragen und sorgsam die passende Wendung zu wählen. Schnell verkommen sie sonst zu Floskeln und Phrasen. Auch gilt – wie so oft – der Grundsatz „weniger ist mehr“. Wer metaphorische Ausdrücke am laufenden Band nutzt, läuft Gefahr, dass der Inhalt des Vortrags leidet. Oft können sich die Zuhörer dann nicht des Eindrucks erwehren, dass hierdurch sachliche Unsicherheit oder fehlender Inhalt überspielt werden soll. Außerdem führt der Gebrauch verschiedener Analogien zum stilistischen Bruch. Das Bild ist nicht mehr stimmig. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann mit geschickter Bildsprache dafür sorgen, dass Teilnehmer eines Seminars oder Workshops komplexe Themen schneller verstehen und besser verinnerlichen. Daher: Halten Sie beim Thema Metaphern immer den richtigen Kurs!

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