23. Oktober 2020 | Tipps & Tricks

Trickkiste der Rhetorik

Rhetorik. Die gesprochene Kunst. Ihre Entwicklung reicht von der Antike Griechenlands und Roms über das Mittelalter und die Moderne bis hin in unsere Gegenwart. Die Rhetorik hat im Laufe der Zeit viele Wandlungen durchlebt. Dennoch hat sie über Jahrhunderte hinweg nicht an Bedeutung verloren. Und gerade heutzutage hat die Wichtigkeit der gekonnten Kommunikation Bestand. Es wird immer relevanter, sich zu behaupten. Das beginnt bereits im Kindergarten und verfolgt Sie bis in Ihren beruflichen Alltag. Insbesondere Fach- und Führungskräfte sehen sich fast alltäglich mit der Aufgabe konfrontiert, zu reden, zu überzeugen, zu führen.

Bei einigen Menschen scheint es, als sei ihnen die Begabung eines guten Redners in die Wiege gelegt worden. Aber wie viele verspüren eine unendliche Nervosität vor einer mündlichen Prüfung oder Lampenfieber vor einer Publikumspräsentation? Zittrige Stimme oder Schweißausbrüche? Eine solche Aufregung kann zu unbewussten Flüchtigkeitsfehlern führen und dem eigentlichen Vortrag schaden. Sie glauben, das ist eine Frage von Talent? Weit gefehlt. Rhetorische Fähigkeiten lassen sich aneignen. Mit ein bisschen Übung hat jedermann die Chance, ein guter Rhetoriker zu werden. Je mehr Tipps und Tricks Sie beherrschen, desto selbstsicherer werden Sie und Ihre Nervosität sinkt auf ein Minimum. Ein selbstbewusstes Auftreten ist die halbe Miete. Ziehen Sie das Publikum auf Ihre Seite. Rhetorik liefert Ihnen den Schlüssel zum Erfolg.

 

„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen“

Friedrich Nietzsche

 

Eine gute Rhetorik beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf das gesprochene Wort. Vielmehr ist es eine Kombination aus verschiedenen Disziplinen. Ein Zusammenspiel aus Vorbereitung, Überzeugungskunst, Körpersprache, Erscheinungsbild und dem Einsatz rhetorischer Stilmittel. All diese Faktoren übermitteln eine weitaus deutlichere und auch intimere Botschaft als die reinen Fakten. Dabei steht nicht die Kraft der Sprache im Vordergrund, sondern die Kraft des eigenen Körpers. Eine Kommunikation, die auf Mimik, Gestik, kleinen Bewegungen oder Körperhaltung beruht. Ein einziger Blick kann eine Kettenreaktion auslösen. Vor allem die Macht der Ehrlichkeit verbirgt sich hinter der Körpersprache. Die inneren Gedanken und Gefühle werden durch körperliche Handlungen nach außen transportiert. Der Körper ist das Sprachrohr für Emotionen. Er verleiht ihnen Ausdruck. Menschen werden meist von Gefühlen und Emotionen geleitet. Authentizität ist das, was überzeugt. Sprechen Sie genau diese bei den Menschen an, so werden sie Ihnen folgen, ohne dass die Gedanken abschweifen. Die einzelnen Elemente der Körpersprache haben jeweils ihre eigenen Charakterzüge, die sich auf unterschiedliche Art und Weise interpretieren lassen. Hier zeigen wir Ihnen, wie Ihre Rede mit ein paar kleinen „Handgriffen“ zum Erfolg wird.

Mikrofon

  • Vorbereitung: Übung macht den Meister! Nervosität lässt sich leider nicht von jetzt auf gleich ausblenden. Aber durch sorgfältige Planung können Sie den Kampf gegen die Angst aufnehmen. Unsicherheit resultiert nicht selten aus unzureichender Vorbereitung. Das fängt bereits bei der Erstellung des Vortrags an. Stellen Sie die richtigen Fragen. Zu welcher Gelegenheit halte ich die Rede? Welchen Sinn und Zweck verfolge ich mit meiner Rede? Welche Zielgruppe spricht die Rede an? Was erwarten die Zuhörer von der Rede? Mit wenigen Fragen können Sie sich besser in das Publikum hineinversetzen und Ihre Rede rational oder emotional entsprechend aufbauen. Der Aufbau verfolgt ein einfaches Grundprinzip: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Geben Sie Ihrer Rede eine Struktur. Mit der richtigen Begrüßung, einem fesselnden Spannungsbogen sowie einem beeindruckenden Schlusswort bleibt die Rede im Gedächtnis. Und das, was im Gedächtnis bleibt, überzeugt. Untermalen Sie Ihre Gliederung mit zentralen Stichworten. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern behalten Sie den roten Faden in der Hand. Und vor dem Auftritt: einprägen, üben, wiederholen. Mit einer Kamera, vor dem Spiegel oder vor Freunden. Einfach, aber wirksam. Und mit jeder Übung gewinnen Sie von Mal zu Mal an Sicherheit.

 

  • Blickkontakt: Zunehmende Sicherheit fördert das selbstsichere Auftreten. Dazu zählt auch die Kunst des freien Sprechens. Die Angst vor Fehlern hindert einen oft daran, seine Augen von den Stichpunkten zu lösen. Aber je freier das Sprechen, desto kompetenter und überzeugender das Erscheinungsbild. Hinzu kommt der Einklang einer freien Rede mit dem Blickkontakt. Der direkte Augenkontakt zum Publikum gehört zum Einmaleins eines gelungenen Auftritts. Es signalisiert Aufmerksamkeit und Interesse. Die Zuhörer fühlen sich angesprochen, können Ihrer Rede besser folgen und saugen die Botschaft in ihr Erinnerungsvermögen auf.

 

  • Körperhaltung: Die Körperhaltung spiegelt das äußere Gerüst des Empfindens wider. Selbstbewusstsein und Souveränität versus Unsicherheit und Angst. Ein fester Stand und eine aufrechte Haltung zeigen Wirkung. Salopp gesagt: Kopf hoch, Brust raus. Fühlen Sie Ihre innere Stärke und es wird Ihre Ausstrahlung positiv beeinflussen. Das sendet Sicherheit und Zufriedenheit aus, die sich unmittelbar auf die Zuhörer überträgt. Wer dahingegen eine zurückhaltende, steife Position verkörpert, verbreitet unbewusst eine gewisse Zurückhaltung und Ablehnung. Die richtige Körperhaltung, gepaart mit einem Zusammenspiel aus Mimik und Gestik, unterstreicht die Botschaft. Die Betonung von Gefühl und Inhalt. Sie können bestimmte Aussagen hervorheben, andere abschwächen. Ein Lachen oder ein ernster Blick. Ein Nicken oder ein Kopfschütteln. Mit der Körpersprache können nicht nur Sie Ihre Überzeugungskraft stärken, sondern Sie haben auch die Möglichkeit, die Reaktionen aus dem Publikum zu beobachten, zu deuten und darauf zu reagieren.

 

  • Sprache: Verschiedene Faktoren wirken auf die Sprache ein. Klangfarbe, Schnelligkeit und die Lautstärke. Ebenso wie Mimik und Gestik sind auch die sprachlichen Merkmale für das richtige Statement unerlässlich. Reden Sie kraftvoll oder ruhig? Laut oder leise? Hastig oder einschläfernd? Grundsätzlich gilt: das perfekte Mittelmaß. Variieren Sie mit Ihrem Tonfall und appellieren Sie an die Gefühle oder verleihen Sie gewissen Wörtern oder Sätzen Nachdruck. Um sowohl die Schnelligkeit als auch die Lautstärke seiner Sprache zu regulieren, ist der Einsatz von Pausen ein geeignetes Hilfsmittel. Blackouts, plötzliche Unsicherheit oder der Verlust des roten Fadens. Die kleinste Ablenkung kann einen aus dem Konzept bringen. Sollten Sie an diesen Punkt stoßen, legen Sie eine kleine Pause ein. So verhindern Sie zum einen Hektik oder die Verwendung von Füllwörtern der Unsicherheit wie „ähm“. Zum anderen können Pausen auch dazu dienen, die Rede packender und dramatischer zu gestalten, indem Spannung aufgebaut wird. Oder lediglich den Zuschauern die Chance bieten, das Gesagte auf sich wirken zu lassen.

 

  • Stilmittel: Das Kunstwerk der Sprache kann durch den Einsatz rhetorischer Stilmittel unterstützt werden. Verleihen Sie Ihrer Rede das gewisse Etwas. Sie können mit Ihrer Stimme spielen. Verleihen Sie Ihren Worten Verständlichkeit, Betonung, Emotionen. Emotionen wiegen mehr als eine Aneinanderreihung von Zahlen, Daten und Fakten. Emotionen bewegen Menschen. Sie kennen manche rhetorische Mittel bestimmt noch aus Schulzeiten im Zusammenhang mit Gedichten oder Interpretationen. Von Zitaten über Analogien bis hin zu Ellipsen. Zitate stellen automatisch eine Verbindung zu berühmten Reden oder Persönlichkeiten her und bleiben im Gedächtnis hängen. Die Nutzung eines direkten Vergleichs (Analogie) kann die inhaltliche Komplexität vergegenwärtigen und verständlicher machen. Die Zuhörer können sich mit dem Sachverhalt identifizieren. Durch Ellipsen, also das Auslassen ganzer Wörter, gestalten Sie Ihren Vortrag schwungvoll und abwechslungsreich. Es gibt noch viele weitere Stilmittel, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Aber alle verfolgen dasselbe Ziel: Durch Kombination aus Kreativität, Verdeutlichung, Spannung und Rhythmus regen Sie die Aufmerksamkeit und Empfindungen der Zuschauer an und ziehen sie in Ihren Bann.

 

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Aber mit einfachen Hilfsmitteln aus der Welt der Rhetorikkunst können Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit bis hin zu einer Kommunikationsstärke entwickeln. Üben Sie, treten Sie selbstbewusst erhobenen Hauptes vor Ihr Publikum und überzeugen Sie auf ganzer Linie!

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